LAB - Splitter: Einblicke in vergangene LAB´s 

Das LAB ist eine Einrichtung für alle AbsolventInnen unserer Weiterbildungen. 

Initiiert und begleitet von Wanda Moser Heindl und Josef M. Weber

LAB 2017 (2) - 27. November 2017

Die Kunst des Scheiterns

Das nie in Betrieb gegangene Atomkraftwerk Zwentendorf in Zwentendorf an der Donau (Niederösterreich) ist die größte Investitionsruine der Republik Österreich und gilt als ein innenpolitisches Symbol und als ein Markstein der Wirtschaftsgeschichte. Das LAB am 27. November 2017 unternahem eine Exkursion in das AKW und setzte sich danach mit geschichtlichen und philosophischen Aspekten der „Kultur des Scheiterns“ auseinander.

LAB - November 2017

Scheitern im großen Stil am Beispiel der Company of Scotland und dem Darién-Projekt 

(Präsentation und Zusammenfassung: Mag. Thomas Wychodil, MBA)

Ende des 17. Jahrhunderts starteten auch die Schotten ihren Versuch sich als Kolonialmacht zu etablieren. Vor dem Hintergrund konfessioneller, ökonomischer und politischer Auseinandersetzungen in ganz Europa wurde 1695 die Company of Scotland, gleichsam als schottische Variante der englischen East India Company, gegründet, um am international aufblühenden Handel teilzuhaben. Zwar waren Schottland und England in Personalunion über einen König bereits vereinigt, mit weiterhin eigenem Parlament und Gesetzgebung aber beschränkten internationalen Handelsrechten konnten die Schotten am wirtschaftlichen Aufschwung in England jedoch nicht profitieren. 

Das erste Projekt für das sich die neue Handelscompany entschied und für das in Schottland knapp die Hälfte des damals verfügbaren Kapitals eingesammelt wurde, sollte eine Koloniegründung in der Bucht von Darién am Isthmus von Panama sein. Von dort sollten ab 1698 Waren über das mittelamerikanische Festland von der Karibik knapp 80 Kilometer über das Festland zum Pazifik und retour transportiert werden. Damit hätten die Schotten den abgekürzten Handelsweg eines Panamakanals zwischen dem Atlantik und dem Pazifik um 200 Jahre vorweggenommen. 

Allerdings geriet das Unternehmen aufgrund grober Fehleinschätzungen der politischen wie auch ökonomischen Rahmenbedingungen sowie unzulänglicher interner Organisation und fehlendem Know-how zum Desaster. Über 2.000 Kolonialisten verloren ihr Leben, Schiffe, Waren und Geld wurden buchstäblich in den panamaischen Malariasümpfen und bei den Auseinandersetzungen mit der dortigen Kolonialmacht Spanien versenkt. Dass die Engländer im Hintergrund gegen die Verselbständigung der schottischen Handelsbestrebungen opponierten beschleunigte das Ende des Unternehmens im Jahr 1700.

Eine wesentliche Konsequenz aus dem gescheiterten Darién-Projekt war der Staatsbankrott Schottlands und in der Folge die Herbeiführung des endgültigen Zusammenschlusses mit England durch den Unions-Act im Jahre 1707. Von da an wurden die Schotten, die fortan auf Parlament und eigene Gesetzgebung verzichten mussten, von London aus regiert, was bis in unsere Tage immer wieder zu Auseinandersetzungen bis hin zu Unabhängigkeitsbestrebungen führt.

Flag of the Company of Scotland Trading to Africa and the Indies (Quelle: Wikipedia)

Minute book of the Company of Scotland, 1696 (Quelle: The National Library of Scotland)

Map of the isthmus of Darien, now Panama. (Quelle: Wiki Commons)

Albert Camus (1957)

(Quelle: Wikipedia)

Laozi, depicted as Daode Tianzun (Quelle: Wikipedia)

(Philosophischer Exkurs von Andreas Kronsteiner)

Albert Camus:

„Darin besteht die verborgene Freude des Sisyphos. Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache. [...] Der absurde Mensch sagt ja, und seine Anstrengung hört nicht mehr auf. Wenn es ein persönliches Geschick gibt, dann gibt es kein übergeordnetes Schicksal oder zumindest nur eines, das er unheilvoll und verachtenswert findet. Darüber hinaus weiß er sich als Herr seiner Tage. In diesem besonderen Augenblick, in dem der Mensch sich seinem Leben zuwendet, betrachtet Sisyphos, der zu seinem Stein zurückkehrt, die Reihe unzusammenhängender Handlungen, die sein Schicksal werden, als von ihm geschaffen, vereint unter dem Blick seiner Erinnerung und bald besiegelt durch den Tod. Derart überzeugt vom ganz und gar menschlichen Ursprung alles Menschlichen, ein Blinder, der sehen möchte und weiß, daß die Nacht kein Ende hat, ist er immer unterwegs. Noch rollt der Stein. […] Dieses Universum, das nun keinen Herrn mehr kennt, kommt ihm weder unfruchtbar noch wertlos vor. Jeder Gran dieses Steins, jedes mineralische Aufblitzen in diesem in Nacht gehüllten Berg ist eine Welt für sich. Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“ 

(Quelle: Der Mythos des Sisyphos: 6. Aufl., Reinbek, 2004. S. 159f.)

 

Laotse:

Die Wirksamkeit des Negativen

  • Dreißig Speichen treffen sich in einer Nabe:
  • Auf dem Nichts daran (dem leeren Raum) beruht des Wagens Brauchbarkeit.
  • Man bildet Ton und macht daraus Gefäße:
  • Auf dem Nichts daran beruht des Gefäßes Brauchbarkeit.
  • Man durchbricht die Wand mit Türen und Fenstern, damit ein Haus entstehe:
  • Auf dem Nichts daran beruht des Hauses Brauchbarkeit.
  • Darum: Das Sein gibt Besitz, das Nichtsein Brauchbarkeit.

(Quelle: Laotse - Tao Te King - Das Buch des Alten vom Sinn und Leben: Edition Holzinger. 2016, 4. Auflage)

LAB 2017 (1) - 19. Juni 2017

 „Hitting the Pause Button: Ethik und Verantwortung in der Beratung“

Barbara Eppensteiner, Christine Moore und Robert Harb gestalten den ersten Tiel des LAB’s: Wirtschaftsskandale und der Stehsatz für entrepreneurhaftes Handeln "Erlaubt ist, was nicht verboten ist" führt zu der Überlegung, dass wohl "nicht alles ethisch vertretbar sein kann, was rechtlich möglich ist".

In den vier Quadranten einer von Ethik und Rechtlichkeit gebildeten Matrix werden die Handlungsmöglichkeiten von Robin Hood bis zu rechtskräftig verurteilten Managern sichtbar. Auch wenn das Recht (ABGB, HGB, ...) und seine Verankerung über Compliance Management Systeme in den Unternehmensorganisationen auf den ersten Blick konkreter greifbar als der Ethik-Begriff erscheint, so genügen Auftraggeber und Anbieter Handlungen erst bei beiderseitiger vollständiger rechtlicher Korrektheit dem Gesetz (transparente Ausschreibung und Beauftragung, Anfütterungsverbot, strengere Regelungen für Amtsträger, ...).

Ethische Überschreitungen scheinen in ihrem Kontext (Anpassen des Wertesystem, Delegieren der Verantwortung, ...) zwar erklärbar, legen sich aber in einer zunehmend kritischeren Gesellschaft , wie z.B. durch Leaks, wie Fesseln um die Handelnden und führt diese näher zur strafrechtlichen Verfolgung, wie z.B. wenn ein kreatives Finanzgeschäft als Betrug ausgelegt werden kann.

 

„Soziale Innovationen in Unternehmen“

„Soziale Innovationen sind neue Wege, Ziele zu erreichen, insbesondere neue Organisationsformen, neue Regulierungen, neue Lebensstile, die die Richtung des sozialen Wandels verändern, Probleme besser lösen als frühere Praktiken, und die deshalb wert sind, nachgeahmt und institutionalisiert zu werden.“ (Zapf 1994). Die TeilnehmerInnen des LAB’s sind der Frage nachgegangen, wie Bewusstsein, Bereitschaft oder Wunsch nach sozialen Innovationen in Unternehmen entstehen kann und welche Auswirkungen bzw. Nutzen diese stiften können. Eine Wortdusche mit Auszügen aus Juergen Howaldt’s Interview „Soziale Innovationen haben eine hohe wirtschaftliche Relevanz.“, Peter Sloterdijk’s Vortrag „Innovationen - Katalysator für einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel“ sowie die Studie des ZSI - Zentrums für soziale innovation „Soziale Innovation in Unternehmen“ bildeten den Nährboden für einen kreativen Dialog.

LAB - Juni 2017

LAB 2016 (2) - 21. November 2016

„Das neue Arbeiten“ 

Menschen erbringen Leistung mit Freude, werden ihrer Leistung entsprechend bezahlt, nutzen zeitadäquate Technologien, arbeiten unabhängig von Ort und Zeit. Flexible Strukturen jenseits hierarchischer Starre. Vertrauen und Transparenz ohne Kontrolle. Arbeitsumgebungen, die Produktivität und Kreativität fördern. Eine Unternehmenskultur, die offen und bereit ist für alle Generationen. 

Eine Fiktion?

Maria Wieser berichtet über die Initiative „Das neue Arbeiten“, die sich zum Ziel gesetzt hat den diesbezüglichen „Reifegrad“ der Unternehmen zu erheben und verschiedene Kommunikationsplattformen für alle daran Interessierten zu bilden. 

Der gedankenanregende Dialog im LAB wird ergänzt mit filmischen Kurzdokumentationen und kleinen aber harausfordernden Experimenten.

Schöpferisches LAB - November 2016

LAB 2016 (1) - 20. Juni 2016

„Reinventing Organizations“ und Beispiele für „Organisationen mit neuen Entscheidungs- und Kooperationsformen“ 

Willi Nowak und Lisa Purker fokussieren auf die Geschichte von Organisationen in der neue Organisationsmodelle wichtige Durchbrüche hervorgebracht haben, die es erlaubt haben jeweils komplexere Herausforderungen zu bewältigen und Ergebnisse in davor nie dagewesenem Ausmaß zu erreichen. Entlang der Thesen von Frédéric Laloux („Reinventing Organizations“) können die dort skizzierten wesentlichen drei Durchbrüche (Merkmale) evolutionärer Organisationen, nämlich Selbstführung, Ganzheit und evolutionärer Sinn, am Beispiel einzelner Organisationen hinsichtlich ihres Verwirklichungsgrades beobachtet werden.

LAB 2015 (2) - 21. November 2015

„Erkenntnisse aus der Gehirnforschung und ihre Relevanz für Organisationsentwicklung“ 

Unser Gehirn laut dem Gehirnforscher Gerald Hüther ein soziales Produkt und als solches für die Gestaltung von sozialen Beziehungen optimiert – es ist ein Sozialorgan.

 

Markus Lang und Heidemarie Seidl stellten neueste Erkenntnisse aus der Gehirnforschung vor und erörterten deren Relevanz im Kontext von MitarbeiterInnenführung, sowie Personal- und Organisationsentwicklung. Dargelegt und eingehend diskutiert wurde unter anderem wie die Beziehungsgestaltung in Unternehmen aussieht, in denen  mehr produktive Kooperation und Innovation als Wettbewerb stattfindet. Weitere Themen waren, welche Wege gibt es in den Organisationen von einer Ressourcenausnutzungskultur hin zu einer Potentialentfaltungskultur und wie kann das Management dazu beitragen, dass die MitarbeiterInnen mit mehr Begeisterung ihren Tätigkeiten nachgehen.

LAB 2015 (1) - 12. Juni 2015

„Entstehendes Neues“ 

Schöpferische Zerstörung, Transformation und Radikale Innovation: ein Video-Experiment.

 

„Wenn es aber Wirklichkeitssinn gibt, und niemand wird bezweifeln, daß er seine Daseinsberechtigung hat, dann muß es auch etwas geben, das man Möglichkeitssinn nennen kann.

Wer ihn besitzt, sagt beispielsweise nicht: Hier ist dies oder das geschehen, wird geschehen, muß geschehen; sondern er erfindet: Hier könnte, sollte oder müßte geschehn; und wenn man ihm von irgend etwas erklärt, daß es so sei, wie es sei, dann denkt er: Nun, es könnte wahrscheinlich auch anders sein. So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebensogut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist. Man sieht, daß die Folgen solcher schöpferischen Anlage bemerkenswert sein können, und bedauerlicherweise lassen sie nicht selten das, was die Menschen bewundern, falsch erscheinen und das, was sie verbieten, als erlaubt oder wohl auch beides als gleichgültig. Solche Möglichkeitsmenschen leben, wie man sagt, in einem feineren Gespinst, in einem Gespinst von Dunst, Einbildung, Träumerei und Konjunktiven; Kindern, die diesen Hang haben, treibt man ihn nachdrücklich aus und nennt solche Menschen vor ihnen Phantasten, Träumer, Schwächlinge und Besserwisser oder Krittler.“ 

(Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften)

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WIENER AKADEMIE für Organisationsentwicklung 

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